• Ralf Metzger

Stille


Stille sind wir heutzutage gar nicht mehr gewohnt. Den ganzen Tag über hören wir irgendwelche Geräusche, angefangen mit dem Radiowecker, dann läuft morgens der Fernseher und die Kaffeemaschine. Wir gehen aus dem Haus, hören Autos und Flugzeuge, in der Kita zehn Kinder, die uns schreiend begrüßen. Während der Büroarbeit sind wir dann umgeben von den Geräuschen und Stimmen der Kollegen während eines Meetings, unterbrochen vom Hinweiston, dass wir eine neue Mail erhalten haben und zwischendurch klingelt auch noch das Telefon.


Selbst nachts ist es nie ganz still. Wenn wir im Bett liegen und im Haus selbst nichts hören sollten, dann ist es das Rauschen der Autos an der nahegelegenen Bundesstraße. Absolute Stille scheint es in unserer Zivilisation gar nicht mehr zu geben.


Sogar während eines Gesprächs scheinen wir die kurze Stille zwischen dem Gesagten nicht gut zu ertragen. Wenn das Gegenüber beim Gespräch mehr als zwei Sekunden nichts sagt, werden wir schon unruhig, so sehr sind wir die Stille nicht mehr gewohnt. Das ist mit ein Grund, warum viele Menschen versuchen, diese Stille mit „Äh“ und „Ähm“ auszuschalten.


Ein Versuch, dem Lärm des Alltags für kurze Zeit zu entfliehen, ist für mich ein Spaziergang im Wald. Auch hier höre ich zwar noch das Vorbeirauschen des einen oder anderen Autos am Waldparkplatz, aber je mehr ich in den Wald hineingehe, umso stiller wird es, umso mehr nehme ich die Gerüche und Geräusche des Waldes wahr, das Rauschen der Blätter im Wind, der Gesang der Vögel und auch mal das Knacken eines Astes. Das ist für mich immer eine kurze, aber sehr entspannende Flucht aus dem Alltag, auch wenn im Winter etwas vernachlässigt habe. Aber der beginnende Frühling lässt die Lust in mir aufkommen, in den nächsten Wochen wieder öfter in den Wald zu gehen oder auch zu fahren, denn meine liebe Frau Sonja und ich haben uns E-Bikes bestellt, die ja auch benutzt werden möchten.


Ein anderer Ort der Ruhe ist der Friedhof. Das ist für viele Menschen ein Ort, den man nicht gern aufsucht, vielleicht sogar nur zum Anlass einer Beerdigung. Hier hat der Begriff „Totenstille“ eine ganz besondere Bedeutung. Ich war vor einigen Wochen anlässlich einer Beerdigung mal wieder auf dem Friedhof im Nachbarort. Ich sollte mich viel öfter dort aufhalten, nicht um andere Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten, sondern abseits von Beerdigungen mit der Kamera in der Hand, um von Stille umgeben die Stimmung einzufangen sowie das eine oder andere spannende Denkmal zu fotografieren.


In diesem Sinne: Suche Dir Orte der Stille (mit oder ohne Kamera) und genieße sie.


Bis bald.

Ralf



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