• Ralf Metzger

Fotografisches Scheitern




Fotografisches Scheitern ist für mich ein ganz wichtiger Teil meines fotografischen Entwicklungsprozesses. Und damit meine ich nicht den Prozess der Filmentwicklung, sondern meine persönliche Entwicklung als Mensch und Fotograf bis zu dem Punkt, an dem ich mich jetzt befinde und darüber hinaus.


Ich erlaube es mir zu scheitern und kann mir das auch erlauben, denn ich habe mir der Fotografie nie Geld verdient, es standen bislang nie Aufträge hinter meiner Fotografie und ich gehe auch davon aus, dass sich das zukünftig nicht ändern wird. Ich habe immer für mich und aus Spaß an der Freud fotografiert, was mir einen gewissen Freiraum verschafft, mich in vielen Dingen ausprobieren zu können, was andererseits aber auch das Risiko birgt, dass mir ein Bereich der Fotografie, den ich für mich entdecken wollte, keinen Spaß macht oder mich sogar zu sehr unter Druck setzt. Dann habe ich aber daraus etwas gelernt, ich weiß, was ich zukünftig nicht mehr machen möchte, und kann mich wieder anderen Themen widmen. So war das beispielsweise mal in einem Fotoclub, in dem ich einige Zeit Mitglied war. Dort gab es eines Abends einen Workshop einer Teilnehmerin zum Thema „Table-Top-Fotografie“. Das war ein spannender und interessanter Abend, an dem ich viel gelernt und auch das eine oder andere gute Foto abgeliefert habe. Es hat mich aber nicht so sehr interessiert, dass ich gesagt hätte, dass ich das noch einmal machen möchte. Also war dieses Thema einmal ausprobiert und dann für mich abgehakt.


Andere Dinge probiere ich gar nicht erst aus, weil sie mich von vornherein nicht interessieren oder mich die Bilder nicht ansprechen, die ich zu diesen Themen schon gesehen habe. Ich habe zum Beispiel überhaupt kein Interesse an Aktfotografie. Das sind einfach keine Bilder, die mich fotografisch reizen. Das weiß ich aber auch schon ohne dass ich es einmal selbst ausprobiert hätte.


Auch in Themen, die nichts mit der eigentlichen Fotografie zu tun haben, sondern mit dem Drumherum, beschäftige ich mich immer wieder. So habe ich mich vor vielen Jahren das erste Mal an der Gestaltung eines Fotobuchs versucht. Die allerersten Versuche befinden sich inzwischen im Giftschrank, aber ich habe Gefallen daran gefunden und mich weiter mit dem Thema befasst, habe immer wieder Dinge verändert, den Anbieter gewechselt, andere Layouts verwendet, die Anzahl der Fotos massiv reduziert, die Bearbeitung meiner Bilder verändert, so dass ich heute sehr zufrieden bin mit meinen aktuell gestalteten Fotobüchern.


Durch ständiges Ausprobieren, Verwerfen des einen Themas und Ausbauen des anderen Themas sammle ich also im Laufe der Zeit Erfahrungen und baue mir andererseits ein Portfolio an Themen auf, die mich interessieren und mit denen ich mich intensiver beschäftigen möchte.


So kann ich auch je nach Stimmungslage zwischen verschiedenen Themen wechseln, mal habe ich Lust auf Architektur, mal auf Tiere und mal auf den Wald.


Welche Erfahrungen und Erlebnisse verbindet Ihr mit dem fotografischen Scheitern?


Einen schönen Sonntag wünscht Euch

Ralf


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