• Ralf Metzger

Bin ich gut genug? Sind meine Fotos gut genug?

Aktualisiert: 10. März


Bis vor kurzem war ich Mitglied eines Fotoclubs. Ich habe dort nette Menschen kennengelernt, habe gesehen, mit welchen fotografischen Themen sie sich beschäftigen, wie sie die Fotografie leben und welche Gedanken sie dazu haben. Das war sehr spannend und erhellend.


Allerdings gab es da auch immer ein Thema, das mir gedanklich zu schaffen gemacht hat, nämlich die clubinternen Fotowettbewerbe, die viermal im Jahr stattgefunden haben und auch noch stattfinden, inzwischen allerdings ohne mich. Hier gab es oft die Diskussion, was an dem Bild schlecht ist und was man selbst besser gemacht hätte, allerdings in meiner Wahrnehmung weniger im Sinne eines „Ich will Dir helfen!“, sondern eher in die Richtung „Das muss man besser hinbekommen, schau mal hier!“. Dieses „Höher, schneller, weiter, besser!“ hat mich in diesen Momenten sehr belastet, auch wenn sie am nächsten Tag wieder verflogen waren, aber das war einer der Gründe, warum ich diesen Fotoclub inzwischen verlassen habe.


Dieses Projekt hier ist anders. Ich gebe mir selbst meine Richtung vor und erlaube mir auch, diese im Verlauf des Projektes zu ändern. Ich bestimme hier selbst die Regeln und bin niemandem Rechenschaft schuldig. Ich gehe das Projekt als eine Art Tagebuch an. Das ist im Vergleich zu den oben beschriebenen Wettbewerben maximal entspannend, denn


- Ich muss nicht mit der teuersten oder neuesten Kamera fotografieren, das Smartphone reicht vollkommen aus.

- Ich muss nicht jeden Tag einen Epic Shot liefern, auch der Blick aus dem Auto am geschlossenen Bahnübergang ist ein Foto, das meinen Tag dokumentiert und ist daher ein wichtiger Teil dieses Projekts.

- Die Fotos müssen MIR gefallen bzw. MIR etwas bedeuten. Ich muss mit diesen Fotos niemandem etwas beweisen.

- Ich muss mich nicht fragen „Sind meine Fotos gut genug?“, denn sie sind gut genug für mich, und das ist vollkommen ausreichend.


Wenn ich am Ende dieses Jahres auf die Fotos zurückblicke und finde hierin einen roten Faden oder eine Geschichte, die sich im Laufe der Zeit herauskristallisiert hat, dann freue ich mich darüber, dass ich mit diesen Fotos meinen fotografischen Weg oder meine fotografischen Schwerpunkte für das vergangene Jahr gefunden habe.


Wenn das aber nicht der Fall sein sollte und ich zum Schluss 365 Fotos habe wie Kraut und Rüben, die also von vorne bis hinten nicht zusammenpassen (oder zusammen zu passen scheinen), dann bin ich hierüber nicht enttäuscht, sondern froh über die Erkenntnis, wie vielfältig und abwechslungsreich die Tage meines Lebens und meine fotografischen Gedanken doch sind. Und da ist sie dann doch wieder, die große Klammer um meine Fotos: Sie erzählen von mir und über mich. Und das ist es doch, was letztendlich zählt.


Vielen Dank, lieber Falk und lieber Michael, für diesen Anstoß.


Bis bald.

Ralf

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